Kurzzusammenfassung
Die aktuelle Deloitte‑Studie zeigt: Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland stagniert, insbesondere in kleinen Unternehmen und bei Geringverdienern. Während die arbeitnehmerfinanzierte bAV kurzzeitig gewachsen ist, gehen die Teilnahmequoten inzwischen wieder zurück. Beschäftigte wünschen sich vor allem bessere Informationen, höhere Zuschüsse sowie flexible und renditestarke Produkte. Ohne zusätzliche politische Impulse wird die bAV kaum an Breite gewinnen.
Gefragt: neue Impulse für die bAV! Die Ergebnisse einer Deloitte‑Studie
Über die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung wurde in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert. Ein Punkt eint jedoch nahezu alle Expertinnen und Experten: Die gesetzliche Altersversorgung braucht dringend eine stärkere Ergänzung durch betriebliche und private Vorsorge. Der betrieblichen Altersversorgung (bAV) kommt als zweiter Säule der Alterssicherung eine besondere Bedeutung zu. Doch wie steht es aktuell um die bAV?
Antworten liefert eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte, die seit 2017 jährlich die Entwicklungen in der bAV analysiert.
Mehr Stagnation als Fortschritt
Eine zentrale und wenig zufriedenstellende Erkenntnis der Studie: Die bAV stagniert seit mehreren Jahren. Besonders deutlich zeigt sich das bei der arbeitgeberfinanzierten bAV. Ihre Verbreitung verharrt konstant zwischen 45 und 50 Prozent. Wesentliche Merkmale und Strukturen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.
Ein anderes Bild zeigt sich bei der arbeitnehmerfinanzierten bAV (Entgeltumwandlung). Auch hier lagen die Teilnahmequoten lange stabil zwischen 20 und 25 Prozent. Zwischen 2020 und 2022 kam es jedoch zu einem deutlichen Anstieg auf 47 Prozent. Ausschlaggebend war vor allem das Betriebsrentenstärkungsgesetz von 2019 mit seinem verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss für eingesparte Sozialversicherungsbeiträge. Dieser Impuls ist inzwischen jedoch wieder abgeflaut: Die Teilnahmequote ist zuletzt leicht gesunken und liegt nun bei rund 40 Prozent.
Nachholbedarf im Mittelstand, Kommunikation bleibt Schwachstelle
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die betriebliche Altersversorgung in Deutschland weiterhin deutliche Lücken aufweist:
- Die Gesamtverbreitung der bAV (arbeitgeber- und/oder arbeitnehmerfinanziert) stagniert seit Jahren.
- Besonders große Versorgungslücken bestehen in kleinen Unternehmen sowie bei Beschäftigten mit niedrigerem Einkommen.
- Der Informationsstand der Arbeitnehmer ist unzureichend: Nur 43 Prozent fühlen sich zur bAV ausreichend informiert, in kleineren Firmen (bis 49 Mitarbeitende) sogar nur 34 Prozent.
- Steigende Lebenshaltungskosten engen die finanziellen Spielräume ein, insbesondere in unteren Einkommensgruppen geben viele an, sich eine bAV aktuell nicht leisten zu können.
Auch das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz II setzt zwar sinnvolle Impulse, etwa durch die Flexibilisierung des Sozialpartnermodells, wird aber als nicht ausreichend wahrgenommen. Rund 80 Prozent der Beschäftigten wünschen sich weitergehende politische Maßnahmen zur Stärkung der bAV.
Sicherheit, Rendite und Flexibilität: Was Beschäftigte wirklich wollen
Neben besserer Kommunikation erwarten Arbeitnehmer vor allem attraktivere Produktlösungen. Besonders gefragt sind Sicherheit, Rendite und Flexibilität. Bemerkenswert: Erstmals wurde eine gute Rendite häufiger als Garantien genannt.
Bei den bevorzugten Merkmalen von bAV‑Produkten liegen vorn:
- unterschiedliche Auszahlungsoptionen (34 Prozent)
- flexible Einzahlungsmöglichkeiten (22 Prozent)
- Wahlmöglichkeiten bei der Geldanlage (20 Prozent)
Die Studie zeigt außerdem altersabhängige Unterschiede:
- Jüngere Beschäftigte priorisieren den Vermögensaufbau und damit flexible Einzahlungen.
- Ältere Arbeitnehmer legen größeren Wert auf flexible Auszahlungsmodelle.